einen Zwilling sehe ich bei dem Stück nicht. Eher dann vielleicht noch eine Parallelverwachsung.
Aber ich kann mich dem Gefühl nicht erwehren, als das bei den Flächen von dem Stück der Natur etwas nachgeholfen wurde. Wobei ich mich natürlich gerne eines Besseren belehren lasse.
Ich sehe da einfach nur zwei zufällig miteinander verwachsene Kristalle.Kein Zwillling,und keine Parallelverwachsung.
Ich kann mich natürlich auch täuschen.
Siamesische Zwillinge kenne ich auch nicht in der Mineralogie, aber interessant, welche verschiedenen Begriffe bzw Möglichkeiten es im Bereich Verwachsung / Zwillingsbildung / Verzwillingung es gibt:
(Liste vermutlich unvollständig und teils auch durch die entsprechenden Kategorien doppelt, teils aber auch auf den Seiten 2 und 3 von Peter bereits erwähnt).
Das ist tatsächlich nur die Spitze vom Eisberg mit den vielen Zwillingen, die es bei Kristallen gibt.
Dann kommen noch die dazu, die nur mit den indizierten Nummern der Flächen,die die Zwillinge bilden, bezeichnet werden.Also z.B.ein Zwilling nach (111) bei würfeligen Kristallen.
Zirkonia
Bergmeister
Geschlecht: Herkunft: Süddeutschland Beiträge: 2448 Dabei seit: 01 / 2016
Ja, wie Peter damals schon angesprochen hatte, ist das eine Wissenschaft für sich.
Die Flächen, die die Zwillinge bilden, sind in der Regel rational, das heißt, sie haben einfache, kleine Miller-Indizes (wie (111), (010), (110)). Das ist das, was Du ansprichst. Es handelt sich dabei ja um gesetzmäßige Verwachsungen, bei denen die Individuen durch Symmetrieoperationen (Spiegelung, Drehung) ineinander überführt werden können, die der Einzelkristall nicht besitzt.
Diese Art von Verwachsungen, bei der die Zwillingsbildung durch die kristallographischen Indizes (Miller-Indizes) der Zwillingsfläche bzw. der Ebene, an der die Spiegelung stattfindet, beschrieben wird, nennt man allgemein Spiegelzwillinge oder Kontaktzwillinge.
Kategorisiert wird aber allgemein, soweit ich nachlesen konnte, wie folgt:
Grundlegende Zwillingsarten:(Verwachsungsformen)
Berührungszwillinge (Kontaktzwillinge): Zwei Kristallindividuen sind an einer planen Fläche (Verwachsungsfläche) flächenhaft miteinander verbunden.
Durchdringungszwillinge (Penetrationszwillinge): Die Kristalle scheinen ineinander hineinzuwachsen. Die Verwachsungsfläche ist unregelmäßig, die Individuen durchdringen sich.
Wachstumszwillinge: Entstehen primär während der Kristallisation aus der Schmelze oder Lösung.
Transformationszwillinge: Entstehen bei einer Änderung der Modifikation (Phasenumwandlung) beim Abkühlen, wenn der Kristall seine innere Struktur ändert.
Deformations- / Gleitzwillinge: Entstehen sekundär durch äußeren Druck (tektonische Deformation) auf einen bestehenden Kristall.
Polysynthetische Zwillinge: Wiederholte Verzwillingung nach demselben Gesetz, bei der viele dünne Lamellen parallel zueinander angeordnet sind (typisch für Plagioklase).
Polysynthetische Gleitzwillinge: Wiederholte Zwillinge, die durch mechanische Deformation (Gleiten) erzeugt wurden, häufig in Calcit.
Mimetische Zwillinge: Zwillinge, die durch ihre Verwachsung eine höhere Symmetrie vortäuschen (häufig pseudo-hexagonal), als die Kristallstruktur des Einzelkristalls eigentlich besitzt.
Ergänzungszwillinge: Andere Bezeichnung für mimetische Zwillinge.
Und die Hauptmerkmale von Zwillingen sind:
Gesetzmäßigkeit: Die Kristalle sind durch eine Symmetrieoperation miteinander verbunden.
Gemeinsames Gitter: Obwohl es sich um mehrere Individuen handelt, teilen sie sich oft ein gemeinsames Kristallgitter.
Einspringende Winkel: Ein wichtiges Erkennungsmerkmal sind sogenannte einspringende Winkel (Ecken, die nach innen gehen), die bei einfachen, unverzwillingten Kristallen nicht vorkommen.
Symmetrie-Täuschung: Zwillinge können eine höhere Symmetrie vortäuschen (mimetische Zwillinge), als das Mineral eigentlich besitzt.