Anfang der Woche bekam ich eine Mail-Anfrage eines früheren Kollegen, just die Frage, die ich auch hier vor langer Zeit im Forum stellte. Er hatte einen grauschillernden Cabochon vorliegen und konnte nicht eindeutig feststellen, um was es sich handelte.
Hier die Zusammenfassung meiner Rückantwort:
Gemmologische Unterschiede zwischen Larvikit und Labradorit:
Härte (Mohs)
Labradorit (Plagioklas-Feldspat): ca. 6 – 6,5
Larvikit (Gestein aus Alkalifeldspat + Plagioklas): ca. 6 – 6,5
Fakt: praktisch gleich, da Larvikit überwiegend aus Feldspäten besteht.
Dichte
Labradorit: ca. 2,68 – 2,72 g/cm³
Larvikit: ca. 2,60 – 2,70 g/cm³ , leicht variabel durch Gesteinszusammensetzung
Fakt: Labradorit ist meist minimal dichter, aber die Bereiche überlappen stark.
Brechungsindex (Refractive Index)
Labradorit: ca. 1,560 – 1,572
Larvikit: ca. 1,52 – 1,57 (gemittelt über das Gestein, da nicht homogen)
Fakt: Labradorit hat typischerweise einen etwas stabileren und leicht höheren RI im Vergleich zu Larvikit als Gesamtgestein.
Doppelbrechung
Beide Materialien gehören zur Feldspatgruppe und besitzen daher nur eine relativ geringe Doppelbrechung.
Larvikit: Die enthaltenen Alkalifeldspäte zeigen typischerweise Werte um 0,006–0,008.
Labradorit: Liegt meist etwas höher bei 0,008–0,013.
Dispersion
Die Dispersion (Feuer) ist bei beiden sehr niedrig.
Larvikit: ca 0,008
Labradorit: ca 0,008–0,010
Fluoreszenz
Beide reagieren normalerweise nur schwach oder gar nicht auf UV-Licht.
Larvikit: meistens inert.
Labradorit: meist ebenfalls inert, vereinzelt schwach weißlich, cremefarben oder gelblich fluoreszierend.
Strichfarbe
Labradorit: weiß
Larvikit: weiß bis hellgrau
Fakt: im Strich kaum unterscheidbar.
Art des Glanzeffekts (wichtigster Punkt)
Labradorit (Labradoreszenz): zeigt richtige Farbblitze, wirkt fast „metallisch leuchtend unter der Oberfläche“.
Larvikit (Schillereffekt): eher ruhiger, silbrig-grauer Schimmer, selten starke Farbtrennung, wirkt „tief eingebettet“, aber weniger bunt, eher gleichmäßiges Aufleuchten als Flash-Effekt. Typisch: kein „Feuer“, sondern sanftes Schimmern.
Struktur im Stein (unter dem Polieren erkennbar)
Larvikit: grobkörnig (sichtbare Feldspat-Kristalle im Inneren), oft kleine „Plättchen“ oder Kristallgrenzen, wirkt leicht „granitisierend“ bzw. strukturiert.
Labradorit: homogener, keine klar sichtbaren Körner im Cabochon, wirkt „glatter“ und dichter.
Farbgrundlage
Larvikit: meist dunkelgrau bis anthrazit, oft sehr gleichmäßig.
Labradorit: grauer Grundton, aber oft leicht transluzent oder milchig.
Lichtverhalten bei Bewegung
Ein einfacher Test:
Labradorit: „Ausschalten & Einschalten“ von Farben beim Kippen.
Larvikit: bleibt relativ konstant, nur Intensität des Schimmers verändert sich.
Sein Test hat bei seinem Stein dann Labradorit ergeben, den es auch in minderer Qualität gibt, also nicht typisch buntschillernd. Die Struktur an der Unterseite des Cabochon und die Farbgrundlage waren wohl ausschlaggebend.
Fazit: nicht immer die Farbe lässt (in geschliffenem Zustand) auf das richtige Mineral schließen....
Aber wenigstens hab ich die Zusammenfassung nun auch hier im Beitrag. Und wenn mich mal wieder jmd fragen sollte, bekommt er den Link zum Mineralienzimmer.
Gruß
Inge