Exkursion zum Marmor-Vorkommen von Hochstädten bei Bensheim-Auerbach im Odenwald, Hessen ..
von McSchuerf
Am Donnerstag, den 3. Juli 2014 startete ich bei weitgehend optimaler Wetterlage eine Exkursion zu den Granat-Vorkommen im Marmor von Hochstädten im hessischen Odenwald.
Nach einer etwas über einstündigen Zugfahrt erreichte ich Bensheim-Auerbach, wo mich ein vorbestelltes Taxi abholte und zum ehemaligen Marmorit-Werk ("Dr. Link") fuhr. Hinter dem Werk befinden sich im Wald die überwachsenen Pingen als Zeugen des ehemaligen Tagebaus.
Hier versuchte ich an insgesamt fünf Stellen fündig zu werden; Erfolg hatte ich schließlich nur an einer dieser Pingen, an der bereits gegraben wurde. Einige meiner Funde sind auf den nachfolgenden Fotos abgebildet. Selbstverständlich wurden auch alle neu entstandenen Grabungslöcher wieder von mir verfüllt.
Das Vorkommen ist seit dem letzten Jahrhundert unter der Bezeichnung "Auerbach/Bergstraße" weltbekannt. Seit ca. 1840 fuhr man in der Nähe des alten Forsthauses hinter besagtem Marmorit-Werk am Südende von Hochstädten einen Stollen auf und begann den Marmor unter Tage abzubauen. Dies bezeugt auch der ehemalige Stolleneingang, den ich auf einem Foto festhalten konnte.
Geologisch betrachtet erschloss der Stollen die auch heute noch sichtbaren Lagerungsverhältnisse des regionalmetamorph entstandenen Marmors, der in bis zu 50 m breite sowie 400 m lange Linsen zerstückelt ist und Schollen des Nebengesteins aufgenommen hat, die er umfließt. Sowohl zu den Schollen (sog. "Eisknöpfe") als auch zum Nebengestein ist eine 0,5 m mächtige Reaktionszone ausgebildet, die die Hauptfundstelle der Mineralien bildet.
Lt. "Liste bei Taborszky 1975, 156" sollen bisher rd. 150 Mineralarten gefunden worden sein; lt. der Datenbank mindat.org gibt es jedoch aktuell nur 118 Einträge, von denen nur 96 gültige Mineralarten darstellen sollen.
Im Wald des hinter dem Marmorit-Werk gelegenden ehem. Tagebaus "Roßbach" ist zu beobachten, dass die Reaktionszone mit langfasrigem Wollastonit direkt im Marmor beginnt und in Richtung Nebengestein dann primär Granat, Vesuvian, Epidot und Quarz folgen.
An Erzmineralien sind dort vor allem Pyrrhotin (Magnetkies), Molybdänit (Molybdänglanz), Chalkopyrit (Kupferkies), Pyrit und Arsenopyrit (Arsenkies) enthalten. Hierzu konnte ich allerdings keine Funde machen.
Im Winter 1842/43 wurden bis 40 cm lange und ebenso dicke, klare Calcit-Kristalle gefunden, von denen Spaltstücke als "Auerbacher Doppelspat" in den Handel gelangten.
Der Untertagebau wurde 1974 eingestellt; immerhin war mit sieben Sohlen eine Tiefe von 140 m erreicht worden. Die Möglichkeit von Neufunden war damit allerdings erschöpft. Seitdem ist man auf die Suche in den Pingen angewiesen. Hierbei ist äußerste Vorsicht geboten, da sich unter den Pingen bis 20 m hohe Weitungen befinden, die jederzeit nachstürzen können!
Insgesamt fünf Pingen befinden sich hinter dem Marmorit-Werk; in der westlichsten sollen lt. FETTEL sogar weiße Granate gefunden worden sein.
Ein weiterer Pingenzug zieht über den Rücken der Bangertshöhe östlich von Hochstädten; hier wurde in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts nur für kurze Zeit Abbau betrieben.
1873 wurde auf der Bangertshöhe beim Abteufen eines Schachtes eine Wismut-Kobalt-Nickel-Vererzung angefahren, von der man auch noch bis in die 80er Jahre hinein einzelne Belegstücke gefunden haben soll.
Eine Mineralien-Liste ist dem nachfolgenden Link zu mindat.org zu entnehmen.
http://www.mindat.org/loc-231888.html
Noch ein paar Worte zur künftigen Fundsituation ..
Meine Funde an diesem Tag würde ich eher als Glücksfunde betrachten, womit ich auch die Ansicht vertrete, dass dort künftig kaum noch weitere beachtenswerte Belege mit Granat u.a. Mineralien gefunden werden dürften.
Quellen ..
- Lapis, Jahrgang 5 - Juli-August 1980 (Themenheft Odenwald) - Der Odenwald - Die Mineralien des kristallinen Odenwalds - Marmorlagerstätte Hochstädten (TK 25 6217 Zwingenberg), S. 16-18, Michael Fettel und Christian Weise Verlag, München.
- Datenbank mindat.org
von McSchuerf
Am Donnerstag, den 3. Juli 2014 startete ich bei weitgehend optimaler Wetterlage eine Exkursion zu den Granat-Vorkommen im Marmor von Hochstädten im hessischen Odenwald.
Nach einer etwas über einstündigen Zugfahrt erreichte ich Bensheim-Auerbach, wo mich ein vorbestelltes Taxi abholte und zum ehemaligen Marmorit-Werk ("Dr. Link") fuhr. Hinter dem Werk befinden sich im Wald die überwachsenen Pingen als Zeugen des ehemaligen Tagebaus.
Hier versuchte ich an insgesamt fünf Stellen fündig zu werden; Erfolg hatte ich schließlich nur an einer dieser Pingen, an der bereits gegraben wurde. Einige meiner Funde sind auf den nachfolgenden Fotos abgebildet. Selbstverständlich wurden auch alle neu entstandenen Grabungslöcher wieder von mir verfüllt.
Das Vorkommen ist seit dem letzten Jahrhundert unter der Bezeichnung "Auerbach/Bergstraße" weltbekannt. Seit ca. 1840 fuhr man in der Nähe des alten Forsthauses hinter besagtem Marmorit-Werk am Südende von Hochstädten einen Stollen auf und begann den Marmor unter Tage abzubauen. Dies bezeugt auch der ehemalige Stolleneingang, den ich auf einem Foto festhalten konnte.
Geologisch betrachtet erschloss der Stollen die auch heute noch sichtbaren Lagerungsverhältnisse des regionalmetamorph entstandenen Marmors, der in bis zu 50 m breite sowie 400 m lange Linsen zerstückelt ist und Schollen des Nebengesteins aufgenommen hat, die er umfließt. Sowohl zu den Schollen (sog. "Eisknöpfe") als auch zum Nebengestein ist eine 0,5 m mächtige Reaktionszone ausgebildet, die die Hauptfundstelle der Mineralien bildet.
Lt. "Liste bei Taborszky 1975, 156" sollen bisher rd. 150 Mineralarten gefunden worden sein; lt. der Datenbank mindat.org gibt es jedoch aktuell nur 118 Einträge, von denen nur 96 gültige Mineralarten darstellen sollen.
Im Wald des hinter dem Marmorit-Werk gelegenden ehem. Tagebaus "Roßbach" ist zu beobachten, dass die Reaktionszone mit langfasrigem Wollastonit direkt im Marmor beginnt und in Richtung Nebengestein dann primär Granat, Vesuvian, Epidot und Quarz folgen.
An Erzmineralien sind dort vor allem Pyrrhotin (Magnetkies), Molybdänit (Molybdänglanz), Chalkopyrit (Kupferkies), Pyrit und Arsenopyrit (Arsenkies) enthalten. Hierzu konnte ich allerdings keine Funde machen.
Im Winter 1842/43 wurden bis 40 cm lange und ebenso dicke, klare Calcit-Kristalle gefunden, von denen Spaltstücke als "Auerbacher Doppelspat" in den Handel gelangten.
Der Untertagebau wurde 1974 eingestellt; immerhin war mit sieben Sohlen eine Tiefe von 140 m erreicht worden. Die Möglichkeit von Neufunden war damit allerdings erschöpft. Seitdem ist man auf die Suche in den Pingen angewiesen. Hierbei ist äußerste Vorsicht geboten, da sich unter den Pingen bis 20 m hohe Weitungen befinden, die jederzeit nachstürzen können!
Insgesamt fünf Pingen befinden sich hinter dem Marmorit-Werk; in der westlichsten sollen lt. FETTEL sogar weiße Granate gefunden worden sein.
Ein weiterer Pingenzug zieht über den Rücken der Bangertshöhe östlich von Hochstädten; hier wurde in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts nur für kurze Zeit Abbau betrieben.
1873 wurde auf der Bangertshöhe beim Abteufen eines Schachtes eine Wismut-Kobalt-Nickel-Vererzung angefahren, von der man auch noch bis in die 80er Jahre hinein einzelne Belegstücke gefunden haben soll.
Eine Mineralien-Liste ist dem nachfolgenden Link zu mindat.org zu entnehmen.
http://www.mindat.org/loc-231888.html
Noch ein paar Worte zur künftigen Fundsituation ..
Meine Funde an diesem Tag würde ich eher als Glücksfunde betrachten, womit ich auch die Ansicht vertrete, dass dort künftig kaum noch weitere beachtenswerte Belege mit Granat u.a. Mineralien gefunden werden dürften.
Quellen ..
- Lapis, Jahrgang 5 - Juli-August 1980 (Themenheft Odenwald) - Der Odenwald - Die Mineralien des kristallinen Odenwalds - Marmorlagerstätte Hochstädten (TK 25 6217 Zwingenberg), S. 16-18, Michael Fettel und Christian Weise Verlag, München.
- Datenbank mindat.org




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