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Sammeln bei den Tschechen

Kalzit
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Sammeln bei den Tschechen

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Gepostet: 12.11.2025 - 23:25 Uhr  ·  #1
Hallo,
im August diesen Jahres war ich in Horni Halze bei den Tschechen Sammeln.

In der Nähe von Oberhals / Horní Halže und Kupferberg befindet sich ein umfangreiches Bergbauareal, welches bis in die Neuzeit aufgrund der dortigen Achatfunde bekannt geblieben, aber in der neueren Zeit bei nicht-tschechichen Sammlern etwas in Vergessenheit geraten ist. Die Spuren des Altbergbaus sind zwar größtenteils durch die Landwirtschaft verwischt und nur an einigen wenigen Stellen noch bemerkbar. Bei den Bergbaubetrieben handelte es sich um kleinere Eisensteinzechen, die bis Ende des 19. Jahrhunderts eigenständig den Abbau auf dem sogenannten Taubenberg, auf dem Graukopf und dem „Roten Suttel“ betrieben.

Folgt man von Kupferberg auf der Landstraße nach Oberhals, so erreicht man kurz vor dem Ortseingang rechtsseitig der Straße ein noch erhaltenes Bergbaugebiet, das heute inmitten eines Wäldchens liegt und sich bis hinunter zum Bergwerk Měděnec erstreckt. Dieses Areal liegt hinter den Häusern und ist über diverse Wald- und Wanderwege erreichbar. Dieses Areal war in der Vergangenheit auch als „Geschiebfeld“ oder „Rothe Sudelheide“ bekannt. In neueren Zeiten wird es meist nur noch „Rote Halde“ genannt. Hinter Oberhals liegen im Bereich der „rothen Suttel“ noch weitere Grubenfelder, doch dazu ist bisher nichts Näheres bekannt.

Sehr verbreitet sind hier Pseudomorphosen von Hämatit nach Magnetit, auf den Halden finden sich oft Stücke von körnigem Hämatit, welche im Inneren noch frischen Magnetit enthalten. Außerdem wurden aus dem Gebiete rothe Suttel- / Wenzels- Zeche noch folgende Pseudomorphose bekannt:
Quarz nach Kalkspath. Die oberflächlich sehr drusigen Skalenoeder von Quarz enthalten innen Höhlungen, welche mit kleinen Quarzkrystallen besetzt sind.

Heute zeigt sich dieses Areal als Wäldchen mit zahlreichen kleinen und großen Vertiefungen, die willkürlich verteilt oder manchmal auch gangartig gestreckt anzusehen sind und auf die Schurf- und Gewinnungstätigkeit vergangener Jahrhunderte hinweisen. Es gibt zum Orte hin noch einige größere Halden, die mittlerweile als Standort von Ferienhäusern fungieren. Aber auch einige größere Pingen sind noch sichtbar. In diesem ganzen Areal sind überall die Spuren der Mineraliensammler zu sehen, welche die Halden des früheren Bergbaus regelrecht durchkutten.

Ich war mit einem befreundeten Sammler, de dort hin wollte, das erste mal in der Gegend, da dieser die legendären Amethyste von der "Nelkenfundstselle" finden wollte. Es handelt sich um Amethyst mit gelben Spitzen, die durch aufsitzenden gelbichen Limonit überwachsen sind.

Zuerst hatte wir uns an markanten Häusern aus alten Fotomaterial orientiert. Leider war das alles von 2008 und die Landschaft hat sich in der Zeit sehr verändert und sind in die nächste Waldlichtung rein. Dort schürften schon zwei Wanderer. Außer derben Quarz und Hämatit ließ sich nichts finden. Bis dahin dachten wir, sind auf der falschen Seite, zumal die Häuser auf dr anderen Seite stehen. Also sind wir den Wanderweg weiter und hielten uns immer in Richtung der Heidenlandschaft. Nicht weit entfernt ließen sich schon erste verschüttete Pingen auffinden. Durch hohes Gras und sumpfiges Gebiet mit Löchern hindurch, stießen wir alsbald auf größere Löcher. In denen lagen dann auch Bruchstücke von Achaten und Quarzbrekkzien rum. Als wird in diesem Gebiet immer tiefer rein kamen, hörte man Klopfgeräusche von Hämmern. Wir folgten dem Geräusch und stießen auf eine Gruppe tschechischer Sammler in einem riesigen fast Tagebau anmutenden Loch. Aus jeder Ecke krochen dann immer mehr. So eine Anhäufung kannten wir aus Deutschland nur aus Erzählungen von alten Sammlern aus alten Zeiten. Die Sammler waren aus Prag angereist und gruben schon den zweiten Tag als wir dazu gestoßen sind. Wir haben uns erstmal ein Bild der Lage gemacht und was die schon an Material so raus geholt haben. Das Loch war ca. 5 m lang und 3 Meter breit und an der tiefsten Stelle über 1 Meter tief. Die größte Stufe war eine 70 cm breite Stufe mit 5 cm Rauchquarzspitzen. Kam allerdings aus einem nebenliegenden "Gang". Sowas bekommt man alleine oder zu zweit nicht in dieser Zeit raus gebuddelt. Daneben gab es noch weitere kleinere Unterhöhlungen, wo die anderen befreundeten Sammler sich reingegraben hatten.

Wir hatten uns oberhalb platziert, mit der Idee, in die große Halde zu stoßen, wo die Hauptfunde gemacht wurden und fingen an zu graben. Der Ertrag hielt sich aber mehr als in Grenzen. Ich habe mich dann neben einem Trampelpfad platziert und dort etwas geschürft und hatte schon mal ein paar kleine Erfolge an Quarzen und leicht fliedernden Amethyst. Die besten Stücke waren aber unterhalb des Weges, dort, wo die große Quarzstufe gefunden wurde, was ich allerdings erst später im Gespräch auf halb Englisch und halb Tschechisch erfahren hatte. Ich habe dann unterhalb der Tannen (auf dem Foto) gegraben und schöne Quarzstufen rausgeholt. Vieles war aber entweder durch Limonit überkrustet oder die Spitzen angeätzt. Beim Reinigen entpuppte sich vieles an unspektakulären Quarz. So dass nur wenige ausgewählte unbeschädigte Stücke es in meine Sammlung geschafft haben.
Die Sammler waren bis 17 Uhr dort, zwischenzeitlich fing es an zu regnen und wir hatten schon die Hoffnung, dass sie gehen. Vorher war nichts zu machen, nur ansatzweiße in die Nähe der Grube zu gelangen. Als es stärker regenete sind sie dann los gemacht. Wir sind dann im strömenden Regen da rein. Aber es war aussichtslos. Das, was war wir in dem Nebenschurf gefunden hatten, ließ sich nicht mal mehr ansatzweiße in der Grube finden. Alles war wie ausgefegt und zudem die Erde klitschnass, was das Graben noch mehr erschwerte. Zurück gelassen wurde nur die zweite Wahl.

Ein paar Wochen später bin ich nochmal zweimal alleine an die Fundstelle hin. Die Grube war da schon wieder befüllt und ein paar entwurzelte Bäume wurden draufgesetzt. Meine kleine Schurfrinne unter der Tanne wurde mit dem Aushubmaterial aus der großen Grube zugeschoben. Gefunden hatte ich nichts mehr so tolles, wie am ersten Tag. Ich war dort zum richtigen Tag am richtigen Ort gewesen. Ein erneutes Ausheben wäre sinnlos gewesen. Da die Stelle sehr verborgen ist, waren dort wohl zuvor auch nicht so viele Sammler, so dass sich da richtig gute Stufen finden ließen. Die Meisten suchen auf der Halde direkt neben dem Wanderweg rechts, bei der ehem. Wenzelzeche, wo sich erst recht nichts gescheites finden lässt. Ich denke mir, da kamen die Amethysten her und es handelte sich um die besagte "Nelkenfundstelle", da wir die Fundstelle nicht gefunden haben und auch keinen Amethyst. Mir sind nur zwei Funde von richtigen Amethyst gelungen. Das andere ist Quarz mit Hämatitbelag. Ist dieser weg, ist es nur noch ordninärer klarer Quarz.

Abends mussten wir dann bis Medenec laufen, weil wir dachten, wir kämen mit dem Zug von dort heim, da der letzte Bus um 18:45 Uhr in Horni Halze anders als in der App angezeigt, nur bis Bärenstein / Vejprty fährt und man von dort nicht mehr wegkommt. Nach mehreren Durchfragen hat uns eine Wirtin ein Taxi gerufen und wir sind wieder nach Annaberg gefahren. Zum Glück hatte ich noch den letzten Zug bekommen, sonst wäre ich aus Annaberg auch nicht mehr weg gekommen.

Glück Auf.
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Leider gibt es nur dieses eine Foto vor der Befüllung der Grube, da wir zuvor keine Fotos machen konnten und es kurz darauf wie aus Eimern geschüttet hatte. Das Größenverhältnis dieser Ausmaße ist hoffentlich trotzdem gut erkennbar.
Dateiname: halde vor der befüllung.jpg
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Titel: Leider gibt es nur dieses eine Foto vor der Befüllung der Grube, da wir zuvor keine Fotos machen konnten und es kurz darauf wie aus Eimern geschüttet hatte. Das Größenverhältnis dieser Ausmaße ist hoffentlich trotzdem gut erkennbar.
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3 Wochen später ist fast nix mehr zu sehen. Der Großteil der Grube ist wieder mit Abraum verfüllt.
Dateiname: große halde nach der befüllung.jpg
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Titel: 3 Wochen später ist fast nix mehr zu sehen. Der Großteil der Grube ist wieder mit Abraum verfüllt.
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Auch mein benachbarter Schurfgraben wurde zugeschoben. In dem offen geblieben Graben, der zuvor tiefer war, wurde die große Museumsstufe geborgen.
Dateiname: zugeschobener schurf.jpg
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Titel: Auch mein benachbarter Schurfgraben wurde zugeschoben. In dem offen geblieben Graben, der zuvor tiefer war, wurde die große Museumsstufe geborgen.
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Amethyst aus einer Druse. 8 cm
Dateiname: amethyst.jpg
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Titel: Amethyst aus einer Druse. 8 cm
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Quarz mit Fe-Oxiden überzogen. Aus der Eisenskarnlagerstätte. 4 cm
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Titel: Quarz mit Fe-Oxiden überzogen. Aus der Eisenskarnlagerstätte. 4 cm
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Binghamit
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Re: Sammeln bei den Tschechen

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Gepostet: 13.11.2025 - 09:53 Uhr  ·  #2
Danke für den tollen Bericht und Fotos. :daumenhoch:
McSchuerf
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Re: Sammeln bei den Tschechen

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Gepostet: 13.11.2025 - 10:31 Uhr  ·  #3
Dem schließe ich mich gerne an. Danke dafür! :daumenhoch:

Bei der Gelegenheit zeige ich hier von Medenec noch mal meinen damaligen Kauf auf einem Börsengang.
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Sammeln bei den Tschechen
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Norbertit
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Re: Sammeln bei den Tschechen

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Gepostet: 13.11.2025 - 12:49 Uhr  ·  #4
Tolle Fund.Gratuliere. In dieser Gegend von der Tschechei war ich auch noch nicht.
pfälzer
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Re: Sammeln bei den Tschechen

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Gepostet: 13.11.2025 - 17:26 Uhr  ·  #5
Vielen Dank für den sehr informativen Bericht und das Zeigen der schönen Funde.

Gruß
Jürgen
ClaRa
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Re: Sammeln bei den Tschechen

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Gepostet: 16.11.2025 - 21:03 Uhr  ·  #6
Sehr schöner Bericht und schöne Funde!
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